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E10 als Alternativsprit bereits gescheitert?

Führt E10 durch den Anbau von Energiepflanzen zur Verstärkung des Welthungers?

Führt E10 durch den Anbau von Energiepflanzen zur Verstärkung des Welthungers?

Kaum hat es Entwicklungsminister Dirk Niebel Mitte August gefordert, prompt bekommt der FDP-Politiker Rückendwind: E10 sei gescheitert und müsse gestoppt werden – dieser Meinung sind auch Greenpeace, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Bundesverband der Verbraucherzentralen und einzelne Stimmen aus der Politik.

E10 und Welthunger

Wenn es um den Kraftstoff E10 geht, sind laute Kritikerstimmen nicht weit: Er bringe nichts, verwirre die Autofahrer, würde eh nicht getankt werden und außerdem führe er vor dem Hintergrund derzeit steigender Agrarpreise und Dürren dazu, „dass Menschen zu wenig Nahrung haben.“ Dies sagte Dirk Niebel zuletzt dem Nachrichtensender n-tv. „Gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen kann Biosprit zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen. Deshalb sollte man E10 jetzt aussetzen.“ Unterstützung erhielt er dafür von Umwelt- und Verbraucherschützern.

Niebel spielte damit vor allem auf den weltweit drastisch gesunkenen Getreidevorrat an. Betrug dieser im Jahr 2010 laut Weltgetreiderat noch 175 Millionen Tonnen, sind es derzeit „nur“ noch rund 100 Millionen Tonnen. Aus Getreide wird Bio-Ethanol erzeugt – weltweit ca. aus 150 Millionen Tonnen Getreide im Jahr; in Deutschland sind es rund 1,5 Millionen Tonnen jährlich. Laut Greenpeace importiere die Bundesrepublik noch zusätzlich fast 50 Prozent des Ethanols, das eingesetzt wird, aus dem Ausland. In den USA gehen allein 40 Prozent der Maisproduktion direkt in den Tank. Genau so etwas führe zur Verschärfung des Welthungers, ist man sich beim katholischen Hilfswerk Misereor sicher. Die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen, wenn Mais, Weizen oder Rohrzucker im Tank landeten – das führe zu hungernden Menschen in Kenia oder El Salvador, sagte man der „BILD am Sonntag“.

Im vergangenen Jahr gingen ca. vier Prozent der deutschen Getreideernte in die Bioethanol-Produktion …

Energiepflanzenanbau

Auch in Deutschland steht man dem Anbau von sogenannten Energiepflanzen durchaus kritisch gegenüber. „Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig“, sagte z. B. FDP-Generalsekretär Patrick Döring. Und Niebel sagte n-tv: „Wir müssen im Kabinett darüber nachdenken, ob man nicht den Konflikt zwischen Tank und Teller auflösen kann.“ Schließlich müsse das Ziel der Forschung sein, Feldfrüchte für die Nahrungsgewinnung zu erhalten und die Restprodukte für die Biosprit-Produktion zu nutzen. Renate Künast (Bündnis 90 / Die Grünen) sieht das Problem in der Förderung von Biomais-Anbau für den Tank – der Anbau von Lebensmitteln habe Vorrang, deshalb sollten die „staatlichen Anreize gestoppt werden“.

CO2-Emissionen senken

Dass die Erzeugung von Biosprit zu Hungerkrisen führt, diese Ansicht teilen weder die Ethanol-Erzeuger noch der deutsche Bauernverband. Die Einführung von E10 in Deutschland könne man nicht in Verbindung mit Ernährungsproblemen in Entwicklungsländern bringen, wird Vize-Generalsekretär Udo Hemmerling in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zitiert.

Im vergangenen Jahr gingen ca. vier Prozent der deutschen Getreideernte in die Bioethanol-Produktion, die restlichen 96 Prozent wurden für die Lebensmittelproduktion verwendet bzw. landeten als Vorrat im Lager.

Ist die aktuelle Diskussion also ein Beispiel für die Vermischung zweier Themen und deren Fakten? Klar scheint, dass E10 nicht vom Markt genommen wird – mit dem Biosprit würden entsprechende EU-Vorgaben umgesetzt, hieß es im Bundesumweltministerium.

Trotz aller vorherrschender E10-Skepsis dürfe man auch nicht übersehen, dass sich mit dem Biosprit die CO2-Emissionen merklich senken lassen, sagte der Verband der deutschen Automobilindustrie: Würden alle deutschen Benziner-Pkw, die E10 vertragen, auch damit betankt werden, ließen sich hierzulande über zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich sparen. Und darin liegt ja der eigentliche Gedanke der E10-Einführung. Laut ADAC sind bisher keine durch den Kraftstoff verursachten Schäden an Fahrzeugen bekannt.

Bilderrechte: © ferkelraggae – Fotolia.com

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