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Israels „Better Place“ scheint zu floppen

Bild: © Better Place - Better Place entwickelt sich noch nicht seinem Namen entsprechend

Bild: © Better Place – Better Place entwickelt sich noch nicht seinem Namen entsprechend

Eine weitere Hiobsbotschaft für die angeschlagene E-Mobility-Branche: Auch Israels Vorzeigeprojekt „Better Place“ scheint zu floppen. Das Unternehmen, das im Oktober 2007 vom ehemaligen SAP-Manager Shai Agassi gegründet wurde, setzt jetzt zweihundert Mitarbeiter vor die Tür, nachdem erst kürzlich 140 der insgesamt 400 Beschäftigten entlassen wurden. Pikant: Auch der charismatische Gründer Agassi, erst vor kurzem als „Unternehmer des Jahres“ aufgezeichnet, wurde rausgeschmissen.

Mit Finanzhilfen ums Überleben kämpfen

Der Kurs des neuen CEOs Evan Thornley hat nicht viel mit einem besseren Zuhause zu tun, ist aber nötig, um das israelische Unternehmen, das seit seiner Gründung nur rote Zahlen schreibt, längerfristig auf einen Erfolgskurs zu bringen. Seit 2007 sollen insgesamt 437 Millionen Dollar Verlust eingefahren worden sein, im laufenden Jahr allein verliert „Better Place“ 128 Millionen Dollar. Nur dank immer neuer Finanzspritzen des Anteilseigners Israel Corporation kann sich das Unternehmen am Leben halten.

„Better Place“ mit guten Ideen

Die Idee hinter „Better Place“ ist der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur für E-Autos mit Tauschakkumulatoren. Autofahrer kaufen beim Unternehmen ein Elektrofahrzeug eines beliebigen Herstellers. Weiter sollen sie sich den Akku bei „Better Place“ ausleihen und dann pro gefahrenem Kilometer für die Energiekosten bezahlen. Die zurückgelegte Strecke soll von einer komplexen Software registriert werden. Nur alternative Energien aus Wind- und Solarkraft sollen im Tank landen, damit die Kunden wirklich umweltfreundlich unterwegs sind. Wer längere Fahrten plant, als die Reichweite der momentanen E-Autos von rund 150 Kilometern erlaubt, soll auf eine Akku-Wechselstation von „Better Place“ zurückgreifen können. Dort wird die leere Batterie automatisch gegen eine Volle getauscht.

Große Pläne, klamme Finanzen

E-Mobilität soll also so einfach wie ein Handyvertrag werden und kostet beim israelischen Unternehmen zwischen 11 und 13 Cent pro Kilometer. Dazu kooperiert „Better Place“ auch mit dem französischen Autobauer Renault-Nissan, der mit seinem „Null Emissionen“-Konzept und Modellen wie dem Renault Fluence Z.E., dem Kangoo Z.E. oder dem Renault ZOE ein Vorreiter der E-Mobilität in Europa ist.

Dass sich „Better Place“ als erstes den Staat Israel für eine flächendeckende Elektromobilität-Infrastruktur vorgenommen hat, ist kein Zufall: Schließlich sind 90 Prozent der Autobesitzer im Land täglich unter 70 Kilometer unterwegs – kein Problem, bei solchen Strecken auf ein E-Auto umzusteigen. Aber auch in Dänemark, Holland, der Pazifik-Insel Hawaii und in Japan plant „Better Place“, sein innovatives Konzept umzusetzen. Ob dafür noch das Geld und vor allem die Mitarbeiter reichen?

Ernüchternde Absatzzahlen

Obwohl die Geschäftsidee theoretisch überzeugend klingt und Israel für eine Umsetzung optimal geeignet scheint, sträubt sich die Bevölkerung gegen das Konzept. Ein E-Auto zu kaufen und dann noch für jeden gefahrenen Kilometer zu bezahlen – das ist vielen schlicht zu umständlich und zu teuer. Unterm Strich zahlt man bei „Better Place“ mehr als mit einem herkömmlichen Benziner. Insgesamt kann das Unternehmen nach mehr als vier Jahren am Markt gerade mal 750 Kunden vorweisen, während es gleichzeitig fleißig in die Infrastruktur aus Batterie-Tankstellen investieren muss, um attraktiv zu bleiben. In den vergangenen Monaten wurden gerade mal 23 Fahrzeuge verkauft, im gesamten laufenden Jahr lediglich 1.000 Verträge weltweit.

2016 droht spätestens das Aus

Wenn „Better Place“ nicht in den kommenden vier Jahren knapp 25.000 neue Kunden gewinnen kann, steht das ehrgeizige Projekt definitiv vor dem Aus – denn bis 2016 muss „Better Place“ von Partner Renault-Nissan 100.000 Fahrzeuge abnehmen. Die Hiobsbotschaft aus Israel kann die Branche der E-Mobilität aber wohl kaum mehr schocken: Dass die Elektroauto-Revolution nur ungewollt langsam vorankommt, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

 

Hier ein Firmenvideo zu dem eigentlich löblichen Programm „Better Place“

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